Geschichte des KEE

Schlaglichter einer über 25-jährigen Erfolgsgeschichte

Der Kommunale Eigenbetrieb Leipzig/Engelsdorf blickt bereits auf eine bewegte Geschichte zurück. Gegründet wurde er vor über 25 Jahren. Seitdem wurden in Kooperation mit der Stadt Leipzig zahlreiche beschäftigungspolitische Projekte erfolgreich umgesetzt, wurden die Angebote des KEE immer wieder den sich ändernden Gegebenheiten angepasst und wurden zeitweise bis zu 1.700 Personen gleichzeitig beschäftigt und auf dem Weg in den Leipziger Arbeitsmarkt begleitet. Nachfolgend finden Sie einen kurzen Abriss der wichtigsten Ereignisse.

1995

Gründung „Kommunaler Eigenbetrieb Engelsdorf“

Am 1. Juni 1995 wird der Kommunale Eigenbetrieb Engelsdorf (KEE) unter Betriebsleiter Thomas Reichardt gegründet. Standort war zunächst der Wildbuschweg in Engelsdorf, schnell erfolgt jedoch der Umzug in die Adolf-Damaschke-Straße. Ziel des KEE ist in erster Linie die Konzipierung und Durchführung von Maßnahmen der Arbeitsförderung. Daneben etablieren sich aber schnell auch andere, sogenannte wirtschaftliche Nebengeschäfte, wie zum Beispiel die organisatorische Verantwortung für den Engelsdorfer Wochenmarkt. In den Bereichen Umwelt, Renaturierung, Sport und Freizeit werden zunächst ca. 130 geförderte Mitarbeitende beschäftigt.

Eingemeindung in die Stadt Leipzig

1999

Mit der Gebietsreform von 1999 wird die Gemeinde Engelsdorf in die Stadt Leipzig eingemeindet. Damit erweitert sich das Aufgaben- und Verantwortungsspektrum des Kommunalen Eigenbetriebs Leipzig/Engelsdorf, denn die Verantwortung zur Umsetzung von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wird vom Personalamt Leipzig auf den KEE übertragen. In dieser Zeit werden bis zu 1.700 Personen gleichzeitig gefördert. Bis heute besteht eine enge Anbindung an die Ortschaftsräte im Stadtgebiet Leipzig.

2001

Umzug in die Engelsdorfer Straße 319

Zu Beginn der 2000er-Jahre wechselt der KEE erneut seinen Standort und zieht in die Engelsdorfer Straße 319.

Hartz-Reformen und neue Dienstleistungsangebote

Hartz-Reformen und neue Dienstleistungs-angebote

2005

Einen wesentlichen Einschnitt deutscher Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik mit weitreichenden, insbesondere negativen Folgen für die Menschen gab es im Zuge der allseits bekannten Agenda 2010. Einerseits wurden Menschen erstmalig umfangreiche arbeitsmarktpolitische Instrumente für eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt angeboten und entwickelt (beispielsweise Weiterbildungen mit anerkannten Abschlüssen), andererseits wurde ein Niedriglohnsektor in Deutschland eingeführt und das sozialstaatliche Paradigma des Forderns und Förderns hielt Einzug in viele einkommensarme Familien. Auch heute prägt diese Reform noch immer die Leipziger Stadt- und Zivilgesellschaft.

Im Zuge der Hartz-Reformen übernimmt der KEE ab 2005 die Umsetzung von Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung, sogenannte AGH-MAE, nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II). Daraus resultiert ein deutlich größeres und vielfältiges Aufgabenspektrum an Dienstleistungsangeboten für städtische Ämter, Referate und Eigenbetriebe. Die geförderten Beschäftigten werden jetzt auch in Ämtern und in sozialen Bereichen wie der Kinder- und Jugendhilfe, der Alten- und Behindertenbetreuung oder der Drogenhilfe eingesetzt, darüber hinaus aber auch weiterhin in der Betreuung und Unterstützung von Sportvereinen. In Kooperation mit dem Jobcenter Leipzig werden viele Projekte erfolgreich realisiert, dazu zählen beispielsweise auch spontane Projekte im Bereich Hochwasserschutz. Anzumerken ist, dass es sich hierbei um Tätigkeiten handelt, für welche lediglich eine Aufwandsentschädigung entrichtet wird. Gedacht war dies als vorübergehende Maßnahme, um Menschen mit wenig bis gar keinen Berufserfahrungen oder Erwerbsbiografien mit längerer Unterbrechung durch Wechselfälle des Lebens an den Arbeitsmarkt heranzuführen. Dies konnte entgegen der Annahme nicht erreicht werden. Jedoch könnten heute, sofern die Freiwilligkeit besteht, Menschen individuell und ganzheitlich auf ihrem persönlichen Weg begleitet werden. Auch heute und mehr denn je zeigt die Hartz-Gesetzgebung deutlichen Reformbedarf auf, da das sozialstaatliche Paradigma vor dem Hintergrund der Entwicklung des Arbeitsmarktes bei heute fehlenden Reformen zumindest kritisch hinterfragt werden muss.

2006

Projektstart „Bürgerdienst Leipzig“

Der Bürgerdienst Leipzig wurde ursprünglich als Informations- und Hilfsangebot zur Fußballweltmeisterschaft 2006 ins Leben gerufen. Er erfasst und dokumentiert Beschädigungen und Verschmutzungen an Gebäuden und in der Landschaft – wie zum Beispiel rechtsextreme Graffitis oder illegale Müllablagerungen – und informiert die zuständigen Ämter und Behörden.

Bürgerdienst
Leipziger Ortschafts-Service (LOS)

2009

Der Leipziger Ortschafts-Service (LOS) erweitert das Angebot des Bürgerdienst Leipzig seit 2009. Hauptbestandteil des Projektes ist die Beseitigung illegaler Müllablagerungen in den Leipziger Ortschaften. Zudem werden Informationen von Anwohnenden zu Missständen in der Ortschaft entgegengenommen und informieren die Service-Mitarbeitenden über geplante Baustellen, Veranstaltungen oder Polizeiverordnungen.

2011

Trägerzertifizierung AZAV

Der KEE erwirbt die gesetzlich notwendige Zertifizierung, um arbeitsmarktpolitische Maßnahmen nach dem SGB II/III durchführen zu können, und schafft damit die Voraussetzungen, auch künftig als Träger zur Erbringung von Arbeitsmarktdienstleistungen tätig zu werden.

Gründung des Fachteams Integration

2012

2012 startet im KEE das Projekt „Förderung von Arbeitsverhältnissen“ (FAV) nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II). Hierbei handelt es sich um tariflich entlohnte Beschäftigungsverhältnisse, um Menschen in den Organisationseinheiten der Stadt Leipzig wieder – wenn auch ohne Beiträge zur Arbeitslosenversicherung – in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Aus Sicht des Eigenbetriebes ein konsequenter Schritt für eine qualitativere Arbeitsmarktpolitik.

2012 war zugleich das Jahr, in dem das SGB II grundlegend reformiert wurde und rückwärtsgewandte Eigenschaften in der arbeitsmarktpolitischen Ausgestaltung aufwies. So wurde die sozialpädagogische Begleitung im Bereich der beschäftigungsschaffenden Maßnahmen wie AGH gestrichen, da der Gesetzgeber die Auffassung vertrat, dass dies nicht notwendig sei. Bundesweit bestand der Trend darin, kommunale Beschäftigungsträger aus städtischen Portfolios zu entfernen. Die Stadt Leipzig reagierte jedoch antizyklisch. Insbesondere durch große Anstrengungen des Referates für Beschäftigungspolitik, hier stellvertretend Frau Dr. von der Bruck, und dem Stadtrat der Stadt Leipzig wurde entschieden, dass Arbeitsmarktpolitik auch immer als Teil der Sozialpolitik zu verstehen sei und Menschen bei Unterstützungsbedarfen auch fachkundiges sozialpädagogisches Personal zur Seite gestellt bekommen sollen. In der Folge werden beim KEE vier Sozialpädagoginnen und -pädagogen eingestellt und das Fachteam Integration gründet sich – heute bekannt und deutlich ausgebaut als Fachberatungsstelle Beratung und Prävention. Hier findet eine umfassende Betreuung und Unterstützungen von Maßnahmeteilnehmenden und geförderten Beschäftigten statt. Die sich verändernden Aufgaben und Strukturen der KEE machen einen erneuten Umzug notwendig, und zwar in die Holzhäuser Straße 72. Der neue Standort ist zentral gelegen und gut erreichbar. Zudem sind nun sämtliche Verwaltungsbereiche unter einem Dach vereint.

2013

Umsetzung eines modularen Betreuungskonzeptes über AVGS

Der KEE erweitert sein modulares Konzept zur Weiterbildung und Betreuung von langzeiterwerbslosen Menschen und setzt dieses erstmalig im Rahmen der Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine (AVGS) des Jobcenters um.

Der KEE wird anerkannte Schuldnerinnen- und Schuldnerberatungsstelle

Der KEE wird anerkannte Schuldnerinnen- und Schuldnerberatungs-stelle

2015

Der KEE erhält die Zertifizierung als anerkannte Schuldnerinnen- und Schuldnerberatungsstelle. Überschuldete Bürgerinnen und Bürger werden in Kooperation mit dem Sozialamt der Stadt Leipzig umfassend beraten und betreut. Das Angebot ist freiwillig und sanktionsfrei.

Übernahme der Blau-Gelben Engel vom Ordnungsamt Leipzig

In Absprache mit dem Ordnungsamt hebt der KEE das Projekt Blau-Gelbe Engel aus der Taufe. Die Maßnahmeteilnehmenden beseitigen Müll und Unrat von Leipzigs Straßenrändern sowie aus Park- und Grünanlagen und sorgen damit – ergänzend zur Leipziger Stadtreinigung – für ein sauberes Stadtbild.

2016

Trägerzertifizierung nach DIN EN ISO 9001

Der KEE passt seine Trägerzertifizierung den aktuellen Anforderungen an und lässt sich sein Qualitätsmanagementsystem erfolgreich zertifizieren. Zielstellung ist die qualitative Aufwertung der Dienstleistungsangebote des KEE.

Berufliche Integration Geflüchteter (BIG) / Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt

Angesichts der gestiegenen Zahlen Geflüchteter in Deutschland entwickelt der KEE vielfältige Angebote zur direkten Unterstützung und Integration dieser Menschen. Die berufliche Integration Geflüchteter (BIG, später MATE) wird zum festen Bestandteil der Beratungsleistungen des Integrationsfachteams. Nach einer Phase der Orientierung und dem Erproben verschiedener pädagogischer Ansätze wird der Bereich mehrfach umstrukturiert. Der Leitgedanke Qualität statt Repression wird seitdem konsequent umgesetzt.

 

Im Rahmen des Bundesprogramms „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales beschäftigt der KEE bis zum 31.12.2018 150 tariflich entlohnte Mitarbeitende in unterschiedlichen städtischen Einrichtungen der Stadt Leipzig. Seit 2019 wird das Projekt unter dem Namen „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ fortgesetzt. Menschen erhalten neben einem bedarfsdeckenden Angebot zugleich auch Unterstützungsangebote wie Beratungen zu allen Fragen des täglichen Bedarfs, abschlussorientierte Weiterbildungen und eine qualifizierte Laufbahnberatung.

TANDEM

2018

Der KEE legt mit Unterstützung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit (SMWA) das Förderprogramm „TANDEM Sachsen“ auf. Das Programm unterstützt und fördert erstmalig rechtskreisübergreifend Familien, Elternpaare und Alleinerziehende, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen oder bedroht sind. Ein steigender Bedarf an Hilfen zur Erziehung in der örtlichen Jugendhilfe gepaart mit einer Verfestigung von Arbeitslosigkeit insbesondere bei Eltern und Alleinerziehenden zeigten im Vorfeld, dass innovative Ansätze in der Stadt Leipzig eine Umsteuerung erforderlich machen. In einem harten Wettbewerb konnte sich der KEE mithilfe vieler Angestellter durchsetzen und konnte so über 1,3 Mio. € erfolgreich einwerben. Der KEE setzt dabei die gesetzgeberische Brille ab, schaut nach den Bedarfen der gesamten Familie und erarbeitet gemeinsam mit allen Akteurinnen und Akteuren Hilfe- und Integrationspläne.

2020

Neustrukturierung des KEE

Der langjährige und erfolgreiche Betriebsleiter Herr Reichardt verlässt das Unternehmen. Nach einem umfangreichen Auswahlverfahren und einstimmigem Votum der Auswahlkommission und des Stadtrates Leipzig tritt Herr Kamphausen am 1. April 2020 dessen Nachfolge an. Begleitet wird der Übergang von einem umfangreichen Prozess der Umstrukturierung und Neuausrichtung des KEE: Gemeinsam mit einer engagierten Belegschaft beginnt der KEE, inhaltliche, prozessuale sowie aufbau- und ablauforganisatorische Veränderungen einzuleiten. Ziel soll es sein, das bestmögliche Dienstleistungsangebot für vulnerable Zielgruppen zu entwickeln.

Designlinien KEE